Filmvorstellung: „Der Imker“ von Mano Khalil

Mittwoch, 12. Februar 2014, 17:30 Uhr, Filmstudio Glückauf (Rüttenscheider Str. 2, 45128 Essen)Der Imker_Essen_web

Regisseur Mano Khalil, ein aus seiner Heimat vertriebener Kurde, beschreibt in seinem Film das bewegte und bewegende Leben seines Leidensgenossen Ibrahim Gezer. Neben ihrer kurdischen Herkunft – Khalil stammt dabei aus Syrien, Gezer aus der Türkei – verbindet beide Männer auch, dass sie in der Schweiz eine neue Heimat gefunden haben. Trotz all der Kämpfe verliert Gezer jedoch weder seine Menschenliebe, noch seine Hoffnung.

In seinen besten Zeiten war Ibrahim Gezer stolzer Besitzer von über 500 Bienenvölkern, die stets genug Honig produzierten, um seine Frau und seine elf Kinder zu ernähren, die später allesamt auf die Universität gehen sollten. Doch als sich zwei seiner Söhne dem kurdischen Widerstand anschlossen, war es mit dem Frieden bald vorbei, und Gezer sah sich gezwungen, ohne seine Familie in die Berge zu flüchten. Dort versteckte er sich sieben Jahre vor der türkischen Polizei. Schließlich gelang ihm die Flucht in die Schweiz, wo mittlerweile bereits der Großteil seiner Kinder wohnte. Doch da die Tätigkeit eines Imkers in der Schweiz nicht als ein richtiger Beruf, sondern nur als ein Hobby gilt, findet der über sechzigjährige Gezer nur schwer Arbeit und ist gezwungen, in einem Betrieb für Behinderte am Fließband Ricola-Kräuterbonbon-Tüten in Kartons zu packen. Besonders bitter: Gezer muss noch arbeiten, weil sein Geburtsdatum in seinem türkischen Pass falsch eingetragen ist. Eigentlich ist er bereits fünf Jahre älter und wäre schon im Pensionsalter. Doch Ibrahim Gezer lässt sich nicht unterkriegen…

Ibrahim Gezer ist ein ebenso einfacher, wie beeindruckender Mensch. Neben seiner Familie lebt der alte kurdische Imker für seine Bienen und die Natur, die er über alles liebt. Zu seinen Bienen hat er eine so innige Beziehung aufgebaut, dass er die kleinen Honigproduzenten mit der bloßen Hand so sanft von den Waben streicht, dass er dabei praktisch nie gestochen wird. Bekommt er doch einmal einen Stich ab, so ist sogar dies Anlass zur Freude: Lächelnd versichert Gezer dann: „Bienenstiche sind gut gegen Rheuma. Deshalb haben Imker niemals Rheuma.

„Die gleiche Gutmütigkeit und Sanftheit zeichnet seinen Umgang mit den Menschen aus. Er sagt: „Ich lerne schnell Menschen kennen. Ich habe in der Schweiz viele Freunde. Meine Schweizer Freunde sind sehr lieb.“ Das sind so einfache wie erstaunliche Worte für einen Menschen, der fast alles verloren hat und in seiner neuen Heimat von den Behörden drangsaliert wird. Dabei ist Ibrahim Gezer jedoch kein penetranter Strahlemann, der sich von nichts beeindrucken lässt. Ganz im Gegenteil spricht er ganz offen von seinem Leid und davon, wie sich sein Leben – so ganz anders als in jungen Jahren erhofft – entwickelt hat. Gerade solche Aussagen lassen das Porträt eines sensiblen, feinfühligen Mannes entstehen, dem der Zuschauer im Lauf des Films sehr nahe kommt. Dabei beeindruckt und inspiriert es, wie er trotz aller Rückschläge und Widrigkeiten immer weiter macht und sich dabei weder seinen leisen Optimismus noch sein großes Herz nehmen lässt.

Anschließende Gesprächsrunde zum Thema Migration und Integration mit Frau Kathrin Richter, Vorstand ProAsyl Essen  und Frau Anika Reker, Projektleiterin Sprachpartnerinnen, Ehrenamt Agentur e.V.

Weitere Informationen zum Film finden Sie unter www.derimker.ch.

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